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Trainingsmethoden auf dem Prüfstand

Trainingsmethoden auf dem Prüfstand – Folge 1: Die Pulling-Through-Methode

Trainingsmethoden auf dem Prüfstand – Folge 1: Die Pulling-Through-Methode

Herzlich willkommen zu meiner neuen Podcastreihe über Trainingsmethoden im Hundetraining. Hier analysieren wir verschiedene Methoden ganz genau: Woher kommen sie? Wie funktionieren sie? Welche Vor- und Nachteile gibt es? Und vor allem – sind sie heute noch sinnvoll oder gibt es bessere Alternativen?

In dieser ersten Folge geht es um die Pulling-Through-Methode. Diese Technik wurde ursprünglich aus dem Zoo-Training übernommen und diente dazu, Tieren bestimmte Positionen beizubringen – vor allem Sitz und Platz. Auch im Hundetraining wurde sie lange Zeit genutzt, um Hunden diese Grundkommandos beizubringen. Aber ist diese Methode wirklich fair? Ist sie überhaupt noch notwendig? Und welche Alternativen gibt es? Das schauen wir uns heute ganz genau an.

 

Was ist die Pulling-Through-Methode?

Die Pulling-Through-Methode ist eine Technik, bei der der Hund durch physischen Druck oder Zug in eine gewünschte Position gebracht wird.

  • Beim Sitz wird der Hund am Halsband oder Geschirr leicht nach oben gezogen, während gleichzeitig auf seinen Po Druck ausgeübt wird, sodass er sich setzt.
  • Beim Platz wird entweder von vorne nach unten gezogen oder der Hund wird durch Druck auf die Schulterblätter in die Position gezwungen.
  • Beim Bleib wird die Leine straff gehalten, sodass der Hund nicht aufstehen kann, ohne Widerstand zu spüren.

Die Idee dahinter ist simpel: Der Hund wird physisch in die Position gebracht und soll diese irgendwann auch ohne Druck einnehmen.

Ursprung der Methode

Diese Technik stammt ursprünglich aus der Arbeit mit Wildtieren in Zoos. Dort wurden große, gefährliche Tiere durch Manipulation ihres Körpers zu bestimmten Positionen gebracht – oft, um medizinische Untersuchungen zu erleichtern. Später übernahmen Hundetrainer diese Methode, weil sie dachten, dass es der schnellste Weg sei, einem Hund Sitz oder Platz beizubringen.

Warum ist die Methode problematisch?

 

  1. Der Hund lernt nicht aktiv, sondern wird manipuliert

Einer der größten Kritikpunkte an der Pulling-Through-Methode ist, dass der Hund nicht wirklich aktiv an seinem Lernprozess beteiligt ist. Statt selbstständig herauszufinden, was von ihm erwartet wird, wird er in eine bestimmte Position gezwungen – sei es durch Zug an der Leine, Druck auf den Körper oder eine Kombination aus beidem. Dadurch fehlt ihm die Möglichkeit, die Bewegung bewusst mit dem Kommando zu verknüpfen und eine eigene Handlungskette zu entwickeln.

Hunde lernen besonders effizient durch eigenständiges Erkunden und positive Verstärkung. Wenn ein Hund eine neue Verhaltensweise durch Versuch und Irrtum herausfindet und dafür belohnt wird, speichert er diese viel nachhaltiger ab. Genau das geschieht bei der Pulling-Through-Methode jedoch nicht. Statt aktiv mitzudenken und eine Lösung zu finden, wird er durch körperliche Manipulation in eine Position gebracht. Das führt nicht nur dazu, dass der Hund das Kommando eher mechanisch ausführt, sondern auch, dass er oft nicht versteht, warum er etwas tun soll.

Zudem fehlt ihm die Wahlmöglichkeit, was ein zentrales Element im fairen und modernen Hundetraining ist. Hunde lernen nicht nur schneller, wenn sie Entscheidungen treffen dürfen, sondern entwickeln auch eine engere Bindung zu ihrem Menschen, weil das Training auf Kooperation und Kommunikation basiert – anstatt auf bloßer physischer Einflussnahme.

Die Pulling-Through-Methode macht das Lernen hingegen zu einem passiven Prozess: Der Hund wird einfach „geschoben“, bis er zufällig in der richtigen Position landet. Er lernt nicht, wie er in die Position kommt oder was das Kommando bedeutet, sondern lediglich, dass er sich dem Druck beugen muss. Das Ergebnis ist oft, dass der Hund die Kommandos nur in bestimmten Situationen ausführt oder unsicher bleibt, weil er nicht genau versteht, worauf es ankommt. Nachhaltiges Lernen sieht anders aus.

  1. Der Hund verknüpft Sitz und Platz mit unangenehmem Druck

Hunde lernen durch Verknüpfungen – sie verbinden bestimmte Reize, Handlungen oder Situationen mit positiven oder negativen Erfahrungen. Genau hier liegt ein großes Problem der Pulling-Through-Methode: Wenn Sitz oder Platz immer wieder durch Ziehen, Drücken oder andere physische Manipulationen erzwungen wird, verknüpft der Hund diese Positionen möglicherweise nicht mit einer klaren, freiwilligen Handlung, sondern mit unangenehmen Empfindungen.

Das bedeutet, dass er sich nicht gerne setzt oder hinlegt, weil er Sitz und Platz nicht als neutrale oder gar angenehme Positionen wahrnimmt, sondern als etwas, das mit Druck und Zwang einhergeht. Einige Hunde entwickeln eine regelrechte Abwehrhaltung gegenüber diesen Kommandos: Sie reagieren verzögert, weichen der Übung aus oder setzen sich nur widerwillig und mit sichtbarem Unwohlsein hin. Manche Hunde zeigen auch Beschwichtigungssignale wie Ohrenanlegen, Lippenlecken oder Wegschauen, weil sie gelernt haben, dass ihnen in dieser Situation etwas Unangenehmes widerfahren könnte.

Besonders sensiblen Hunden oder solchen, die bereits schlechte Erfahrungen mit körperlichem Druck gemacht haben, kann diese Methode ernsthafte Probleme bereiten. Statt einfach nur unsicher zu sein, können sie sogar Stress- oder Angstreaktionen zeigen. Das äußert sich beispielsweise in Meideverhalten: Der Hund versucht, dem Training aus dem Weg zu gehen, setzt sich nur sehr langsam oder bewegt sich sogar rückwärts, wenn er merkt, dass er in eine Position gezwungen werden soll. In schlimmeren Fällen kann der Hund in eine Art erlernte Hilflosigkeit fallen – er führt Kommandos zwar aus, aber nicht aus Verständnis oder Motivation heraus, sondern weil er gelernt hat, dass Widerstand zwecklos ist.

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass Hunde mit dieser Methode nicht nur das Sitz oder Platz negativ verknüpfen, sondern auch die Person, die diese Befehle gibt. Wenn ein Hund regelmäßig durch körperlichen Druck in eine Position gebracht wird, kann das Vertrauen in seinen Menschen leiden. Anstatt sich sicher und verstanden zu fühlen, erfährt der Hund Training als unangenehm und möglicherweise unvorhersehbar. Das widerspricht dem Grundgedanken eines fairen und partnerschaftlichen Trainingsansatzes, bei dem der Hund mit Freude und Motivation lernt, anstatt sich aus einer unangenehmen Situation zu fügen.

  1. Körperliche Einwirkung ist nicht mehr zeitgemäß und rechtlich bedenklich

Moderne Trainingsmethoden setzen auf positive Verstärkung, freiwilliges Lernen und eine enge, vertrauensvolle Mensch-Hund-Beziehung. Das bedeutet, dass der Hund selbstständig herausfinden darf, welches Verhalten sich lohnt, weil es positive Konsequenzen für ihn hat – zum Beispiel eine Belohnung in Form von Futter, Lob oder Spiel. Diese Art des Trainings ist nicht nur effektiver, sondern auch nachhaltiger, weil der Hund aktiv an seinem Lernprozess beteiligt ist und versteht, warum er eine bestimmte Handlung ausführen soll.

Die Pulling-Through-Methode hingegen stammt aus einer Zeit, in der man Hunde noch stark über physische Manipulation trainierte. Damals glaubte man, dass Hunde nur durch direkten körperlichen Einfluss lernen könnten – indem man sie in die gewünschte Position zwingt und sie so lange hält, bis sie „kapitulieren“. Man ging davon aus, dass Hunde nicht in der Lage seien, selbstständig Regeln zu begreifen, sondern dass man sie buchstäblich „in die richtige Form bringen“ müsse. Heute wissen wir, dass dieser Ansatz nicht nur unnötig, sondern auch kontraproduktiv ist. Hunde sind intelligente, soziale Wesen, die lernen können, wenn man ihnen die richtigen Anreize gibt. Sie brauchen keine Zwangsmaßnahmen, um Sitz, Platz oder Bleib zu verstehen – sie brauchen klare Kommunikation, Geduld und positive Verstärkung.

Neben den ethischen und lernpsychologischen Aspekten spielt auch das Tierschutzgesetz eine entscheidende Rolle. In Deutschland gilt laut § 3 des Tierschutzgesetzes, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Das betrifft auch das Hundetraining. Eine Methode, die den Hund unter physischen Druck setzt oder ihm unangenehme Empfindungen bereitet, kann tierschutzrechtlich problematisch sein – insbesondere dann, wenn nachweislich mildere, gewaltfreie Alternativen zur Verfügung stehen.

Das bedeutet: Wer seinen Hund durch Ziehen, Drücken oder andere unangenehme Einwirkungen in eine bestimmte Position zwingt, bewegt sich auf rechtlich unsicherem Terrain. Je nach Intensität und individueller Sensibilität des Hundes könnte ein solches Vorgehen als tierschutzwidrig eingestuft werden. Besonders im professionellen Hundetraining sind Trainer*innen verpflichtet, sich an tierschutzkonforme Methoden zu halten. Das Training soll nicht nur effektiv sein, sondern auch dem Wohl des Hundes dienen – und das ist mit modernen, gewaltfreien Methoden ohne Weiteres möglich.

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Welche Alternativen gibt es?

Glücklicherweise gibt es heute viele faire und effektive Methoden, um Hunden Sitz, Platz und Bleib beizubringen – und das auf eine Weise, die den Hund motiviert, aktiv mitzuarbeiten und Spaß am Lernen zu haben. Diese Methoden basieren auf positiver Verstärkung, fördern die Eigeninitiative des Hundes und sind nachhaltig.

  1. Trainieren mit Lob und Belohnung

Diese Methode nutzt die natürliche Bewegungsdynamik des Hundes und führt ihn sanft in die gewünschte Position – ohne Druck oder körperliche Manipulation.

  • Sitz:
    • Halte ein Leckerli vor die Nase des Hundes und bewege es langsam nach oben über seinen Kopf.
    • Die meisten Hunde setzen sich automatisch, da sie ihrem Blick folgen und sich dabei ihr Körperschwerpunkt nach hinten verlagert.
    • Sobald der Hund sich setzt, sofort belohnen (mit Futter, Lob oder Spiel).
    • Nach einigen Wiederholungen das Wort „Sitz“ hinzufügen, sobald der Hund sich setzt, damit er die Verknüpfung herstellt.
  • Platz:
    • Halte ein Leckerli vor die Nase des Hundes und bewege es langsam Richtung Boden, zwischen seine Vorderpfoten.
    • Viele Hunde werden sich instinktiv hinlegen, um dem Futter zu folgen. Falls nicht, kann man die Hand leicht weiter nach vorne ziehen, sodass er sich strecken muss und sich automatisch hinlegt.
    • Sobald der Hund liegt, sofort belohnen und loben.
    • Erst nach mehreren Wiederholungen das Wort „Platz“ einführen, wenn der Hund zuverlässig in die Position geht.

🔹 Vorteil: Der Hund lernt, sich freiwillig in die gewünschte Position zu begeben und verknüpft diese mit etwas Positivem.

🔹 Wichtig: Locken ist eine gute Einstiegsstrategie, sollte aber mit der Zeit durch selbstständiges Verhalten ersetzt werden, damit der Hund das Kommando auch ohne Futterreiz versteht.

  1. Freies Shaping mit dem Clicker oder Markerwort

Diese Methode nutzt die natürliche Neugier und Experimentierfreude des Hundes. Anstatt ihn zu führen oder zu locken, wird jede Bewegung in die richtige Richtung belohnt, bis der Hund das komplette Verhalten zeigt.

  • Sitz oder Platz durch freies Anbieten:
    • Der Hund wird zunächst für jede zufällige Bewegung in Richtung der gewünschten Position belohnt.
    • Setzt er sich von selbst hin? Click & Belohnung.
    • Legt er sich von selbst hin? Click & Belohnung.
    • Nach und nach werden nur noch genauere Bewegungen belohnt, bis der Hund das vollständige Verhalten zeigt.
    • Erst wenn er es sicher anbietet, wird das Kommando (z. B. „Sitz“ oder „Platz“) hinzugefügt.

🔹 Vorteil: Der Hund lernt, selbstständig nach der Lösung zu suchen und wird aktiver Teilnehmer im Trainingsprozess.

🔹 Wichtig: Shaping erfordert Geduld, lohnt sich aber enorm, da es den Hund mental fordert und das Verhalten nachhaltig festigt.

  1. Ritualisierte Wiederholungen in Alltagssituationen

Hunde lernen nicht nur durch gezieltes Training, sondern auch durch Alltagsverknüpfungen. Man kann sich diesen Effekt zunutze machen:

  • Der Hund setzt sich von selbst, wenn er auf etwas wartet? Sofort belohnen.
  • Er legt sich aus Eigeninitiative hin? Ebenfalls belohnen.
  • So beginnt der Hund, Sitz oder Platz häufiger anzubieten, weil er positive Konsequenzen erwartet.
  • Nach einigen Wiederholungen kann man das Verhalten durch ein Wortkommando gezielt abrufen.

🔹 Vorteil: Der Hund verknüpft das Verhalten mit natürlichen Situationen und führt es zunehmend freiwillig aus.

🔹 Wichtig: Konsequenz ist hier entscheidend – belohnt man das Verhalten regelmäßig, wird es zur Gewohnheit.

  1. Bleib durch Selbstkontrolle und schrittweises Training aufbauen

Ein stabiles „Bleib“ entsteht nicht durch Zwang oder Leinenzug, sondern durch gezieltes Training in kleinen Schritten:

  1. Kurze Dauer:
    • Der Hund sitzt oder liegt und bleibt für eine Sekunde – sofort belohnen.
    • Nach und nach die Zeitspanne verlängern.
  2. Erste Distanz:
    • Erst einen Schritt zurückgehen, direkt wieder herantreten und belohnen.
    • Allmählich die Distanz vergrößern.
  3. Ablenkungen hinzufügen:
    • Üben in verschiedenen Umgebungen mit steigendem Schwierigkeitsgrad.

🔹 Vorteil: Der Hund lernt, dass Stillbleiben sich lohnt, anstatt durch Druck in der Position gehalten zu werden.

🔹 Wichtig: Geduld und stufenweiser Aufbau sind entscheidend – Überforderung führt zu Fehlern und Frustration.

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Jede dieser Methoden zeigt, dass es absolut nicht notwendig ist, Hunde durch Ziehen oder Drücken in eine Position zu zwingen. Im Gegenteil: Mit fairen, positiven Trainingsansätzen lernt der Hund nicht nur schneller, sondern auch nachhaltiger – und das auf eine Weise, die seine Motivation stärkt und die Bindung zu seinem Menschen vertieft.

Die Pulling-Through-Methode mag einmal weit verbreitet gewesen sein, aber sie hat im modernen Hundetraining nichts mehr zu suchen. Sie ist unnötig, unfair und kann für den Hund unangenehm sein. Lernen sollte immer freiwillig und verständlich sein – und das erreicht man mit positiven, modernen Methoden viel besser.

Wenn du also das nächste Mal überlegst, wie du deinem Hund ein neues Kommando beibringen kannst, dann frage dich: Ist das fair? Macht das Sinn? Und gibt es eine bessere Methode?

In der nächsten Folge schauen wir uns die nächste Trainingsmethode kritisch an – sei gespannt!

 

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