Dieses Wissen macht dir dein Training einfacher!

Warum Konzentration im Hundetraining so oft falsch verstanden wird

Konzentration gehört zu den Themen, über die im Hundetraining ständig gesprochen wird und die gleichzeitig unglaublich häufig missverstanden werden. Viele Menschen haben das Gefühl, ihr Hund „müsste sich doch einfach konzentrieren können“, vor allem dann, wenn bestimmte Übungen zuhause längst funktionieren oder bereits mehrfach trainiert wurden. Genau an diesem Punkt beginnt allerdings häufig Frust, weil Konzentration im Alltag mit Hunden eben deutlich komplexer ist, als es auf den ersten Blick wirkt.

In der 100. Podcastfolge von JoyDogs® sprechen wir deshalb darüber, warum Konzentration im Hundetraining keine Selbstverständlichkeit ist, weshalb viele Hunde draußen scheinbar alles vergessen und warum fehlender Fokus oft nichts mit Ungehorsam zu tun hat.

Gleichzeitig ist diese Folge auch eine ganz besondere Folge, denn es ist die letzte reguläre Podcastfolge von JoyDogs®. Hinter den Kulissen entwickelt sich JoyDogs® jedoch gerade stärker weiter als jemals zuvor, vor allem durch das JoyDogs® Kompetenzprogramm für angewandte Verhaltensarbeit, in dem wir Menschen intensiv auf ihrem Weg in die professionelle Arbeit mit Hunden begleiten. *Klicke hier, für mehr Infos zur Ausbildung die mehr bietet als „nur“ Hundetrainer/in zu werden.

Warum Hunde draußen oft „unkonzentriert“ wirken

Einer der größten Denkfehler im Hundetraining entsteht dadurch, dass Menschen davon ausgehen, ihr Hund würde eine Situation genauso wahrnehmen wie sie selbst. Während wir mit einem klaren Plan in ein Training gehen, vielleicht den Rückruf üben möchten, Fußarbeit trainieren oder an der Leinenführigkeit arbeiten wollen, erlebt der Hund dieselbe Situation oft vollkommen anders.

Du steigst motiviert aus dem Auto aus, freust dich auf das Training und hast innerlich längst begonnen zu arbeiten. Dein Hund dagegen steigt aus dem Auto und nimmt erstmal die Umwelt wahr. Gerüche im Boden, Bewegungen in der Entfernung, Geräusche, andere Hunde, Windrichtungen oder spannende Veränderungen in der Umgebung werden vom Gehirn des Hundes zunächst verarbeitet und bewertet.

Genau deshalb ist Konzentration draußen für viele Hunde deutlich schwieriger als zuhause. Während wir Menschen uns bewusst für eine Aufgabe entscheiden können, verarbeitet das Gehirn des Hundes permanent Reize aus der Umwelt und entscheidet fortlaufend neu, welche Informationen gerade wichtig erscheinen.

Das bedeutet auch: Konzentration ist kein Schalter.

Ein Hund entscheidet sich nicht morgens bewusst dazu, „heute mal unkonzentriert“ zu sein. Konzentration entsteht erst dann, wenn das Gehirn überhaupt Kapazität dafür frei machen kann, sich auf eine bestimmte Aufgabe einzulassen. Emotionen, Umweltreize, Unsicherheit, Aufregung oder innere Erregung beeinflussen dabei permanent, wie ansprechbar ein Hund überhaupt sein kann.

Warum ein Hund draußen nicht plötzlich alles vergessen hat

Viele Menschen erleben Situationen, in denen eine Übung zuhause wunderbar funktioniert, draußen jedoch scheinbar komplett zusammenbricht. Sofort entsteht häufig der Gedanke: „Mein Hund kann das nicht.“

In Wirklichkeit stimmt das meistens überhaupt nicht.

Der Hund hat die Übung nicht vergessen und das Wissen ist nicht verschwunden. Viel häufiger fehlt in diesem Moment schlicht der Zugriff auf das bereits Gelernte, weil die Konzentration des Hundes gerade durch andere Dinge gebunden ist.

Genau deshalb ist fehlender Fokus oft kein Zeichen von Sturheit oder mangelndem Respekt, sondern zunächst einmal einfach eine ehrliche Rückmeldung darüber, wie anspruchsvoll die Situation gerade tatsächlich ist.

Wenn ein Hund beispielsweise an der Schleppleine im Wald keinen stabilen Rückruf zeigen kann, weil Wildgerüche emotional deutlich bedeutender sind als das Signal des Menschen, dann bedeutet das nicht automatisch, dass das Training gescheitert ist. Es bedeutet lediglich, dass die Ablenkung in dieser Situation aktuell noch stärker ist als die Fähigkeit des Hundes, sich auf das Signal zu konzentrieren.

Und genau diese Information ist unglaublich wertvoll.

Denn nur dadurch weißt du überhaupt, wo ihr gerade wirklich steht und welche Trainingsschritte noch fehlen.

Generalisierung bedeutet mehr als „Der Hund kennt das Signal“

Ein weiterer wichtiger Punkt, der im Hundetraining häufig unterschätzt wird, ist die sogenannte Generalisierung.

Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Hund ein Signal automatisch überall ausführen kann, sobald er es einmal gelernt hat. Für Hunde funktioniert Lernen allerdings deutlich situationsbezogener.

Ein „Sitz“ im Wohnzimmer ist für den Hund nicht automatisch dasselbe wie ein „Sitz“ im Wald, auf einer belebten Straße oder neben spielenden Hunden. Während wir Menschen ein Signal als grundsätzlich identisch wahrnehmen, erlebt der Hund unterschiedliche Umgebungen oft wie komplett neue Situationen mit ganz eigenen Schwierigkeitsgraden.

Genau deshalb müssen Signale in vielen verschiedenen Situationen Schritt für Schritt neu aufgebaut werden.

Generalisierung bedeutet also nicht, dass ein Hund etwas einmal gelernt hat und es danach automatisch überall zuverlässig abrufen kann. Generalisierung bedeutet vielmehr, dass ein Hund lernen muss, ein Verhalten unter ganz unterschiedlichen Bedingungen wiederzuerkennen und auszuführen.

Und genau deshalb ist es kein Rückschritt, wenn ein Hund draußen plötzlich Schwierigkeiten bekommt. Es ist schlicht eine ehrliche Rückmeldung darüber, dass die aktuelle Situation noch zu anspruchsvoll ist.

Die Konzentrationsspanne eines Hundes ernst nehmen

Dasselbe gilt übrigens auch für die Konzentrationsspanne selbst.

Viele Hunde können sich anfangs nur sehr kurz konzentrieren, vor allem in aufregenden oder reizstarken Situationen. Wenn dein Hund nach kurzer Zeit mental aussteigt, ständig abschweift oder gedanklich immer wieder aus der Situation herauskippt, dann ist auch das kein Zeichen dafür, dass dein Hund „nicht arbeiten will“.

Ganz liebevoll gesagt: Manche Hunde haben am Anfang tatsächlich die Konzentrationsspanne eines Eichhörnchens.

Und das ist vollkommen okay.

Denn auch das ist zunächst einmal einfach nur eine wichtige Information darüber, wie viel Konzentration dein Hund aktuell überhaupt leisten kann.

Genau deshalb ist es so wichtig, Trainingseinheiten an den Hund anzupassen, anstatt stur an einem Plan festzuhalten. Wenn dein Hund nur zwei Minuten konzentriert arbeiten kann, dann trainierst du eben zunächst zwei Minuten sinnvoll und hörst auf, bevor die Konzentration komplett zusammenbricht.

Viele Menschen trainieren viel zu lange und wundern sich anschließend darüber, dass die Qualität immer schlechter wird. Dabei zeigt der Hund oft längst sehr deutlich, dass seine mentale Kapazität erschöpft ist.

Ab diesem Punkt bringt weiteres Training meistens kaum noch etwas, weil das Gehirn neue Informationen nicht mehr sinnvoll verarbeiten kann.

Deutlich sinnvoller ist es deshalb, Konzentration langsam wachsen zu lassen. Durch kurze, erfolgreiche Trainingseinheiten, viele kleine Orientierungsmomente und Situationen, in denen der Hund überhaupt erstmal die Möglichkeit bekommt, konzentriert zu arbeiten.

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Konzentration ist bereits Training

Einer der wichtigsten Gedanken überhaupt ist deshalb: Konzentration ist keine Voraussetzung für Training, sondern Konzentration selbst ist bereits ein Teil des Trainings.

Viele Menschen warten darauf, dass ihr Hund „endlich konzentriert genug“ ist, um mit dem eigentlichen Training zu beginnen. Dabei beginnt gutes Training viel früher.

Es beginnt in dem Moment, in dem dein Hund auf seinen Namen reagiert.

Es beginnt in dem Moment, in dem dein Hund sich trotz Umweltreizen kurz zu dir orientiert.

Es beginnt in dem Moment, in dem dein Hund sich entscheidet, einen Teil seiner Aufmerksamkeit bewusst zu dir zu verschieben.

Genau diese Momente werden im Alltag häufig komplett unterschätzt, obwohl sie die eigentliche Grundlage für jedes weitere Training bilden.

Warum Lob Konzentration stabilisieren kann

Gerade deshalb spielt Lob im Hundetraining eine so wichtige Rolle. Dabei geht es nicht nur darum, Verhalten zu „belohnen“, sondern darum, Konzentration überhaupt stabil zu halten.

Es gibt spannende Untersuchungen aus dem menschlichen Bereich, die zeigen, dass Menschen sich länger konzentrieren können, wenn positives Feedback während des Lernens stattfindet. Genau dieselben Prozesse erleben wir auch bei Hunden.

Wenn ein Hund auf seinen Namen reagiert und dafür eine positive Rückmeldung bekommt, entsteht Orientierung. Der Hund erlebt dadurch, dass sich Aufmerksamkeit lohnt und dass Verbindung Sicherheit und Erfolg bringt.

Auf diese Weise entsteht Konzentration nicht durch Druck oder Kontrolle, sondern durch sinnvolle gemeinsame Erfahrungen.

Warum Verständnis im Hundetraining so wichtig ist

Ich glaube, dass sich Hundetraining massiv verändert, sobald Menschen beginnen, Konzentration nicht mehr als Selbstverständlichkeit zu betrachten.

Denn fehlender Fokus bedeutet nicht automatisch fehlenden Willen.

Oft bedeutet er schlicht, dass die Situation emotional, biologisch oder mental gerade zu anspruchsvoll ist.

Genau deshalb brauchen Hunde im Training nicht mehr Druck, sondern häufig mehr Verständnis, mehr Klarheit und sinnvoll aufgebaute Schritte.

Denn manchmal fehlt nicht das Können.

Manchmal fehlt einfach nur die Möglichkeit, in diesem Moment darauf zugreifen zu können.

Die 100. Podcastfolge von JoyDogs®

Mit dieser Folge endet zwar die Reihe der regulären Podcastfolgen von JoyDogs®, die Arbeit hinter JoyDogs® entwickelt sich jedoch intensiver weiter als je zuvor.

Wenn du dich tiefer für Verhalten, Emotionen, Körpersprache und nachhaltige Verhaltensarbeit interessierst und selbst Expertin oder Experte für Hundeverhalten werden möchtest, findest du alle Informationen zum JoyDogs® Kompetenzprogramm für angewandte Verhaltensarbeit findest du hier (*klick).

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